8. Januar 2020

Pis­ten-Chef Dani Mey­er: «Wir wis­sen ziem­lich ge­nau, wo wir wie viel be­schnei­en müs­sen»

Dani Meyer ist Herr über die Schneekanonen in der SkiArena in Andermatt. Im Gespräch erzählt er, wie Schneekanonen funktionieren, wie man beim Beschneien Energie sparen kann und wie er den Klimawandel am Berg selbst erlebt.

Dani Meyer, wie entsteht eigentlich technischer Schnee?

Dani Meyer: Um Schnee herzustellen, braucht man Wasser, Druckluft und Strom. Das Wasser wird im Nukleator mit der Druckluft vermischt. Somit entsteht ein Nukleid, an dem sich die aus den Düsen kommenden Wassertröpfchen festhalten können. Durch die Wurfweite des Propellers oder der Fallhöhe der Lanze gefriert der Wassertropfen und wird zu Schnee.

Als Skifahrerin oder Snowboarder spürt man, wenn man auf technischem Schnee fährt. Warum?

Meyer: Technischer Schnee ist im Gegensatz zu Naturschnee nicht sternförmig, sondern rund und viel dichter, weil mehr Verbindungen entstehen. Wenn man auf Kunstschnee fährt, hat man das Gefühl, er sei kompakter.

Laufende Schneekanone am Pistenrand bei Sonnenschein

Wie hoch ist der Stromverbrauch der Schneeerzeuger? Sind alle gleich?

Meyer: Nein. Eine Lanze braucht relativ wenig Strom, da man praktisch nur Druckluft erzeugen muss. Etwa 0,2 bis 4 Kilowatt je nach System und Typ. Propellermaschinen brauchen mehr Strom, etwa 18 Kilowatt pro Maschine. Es ist aber auch abhängig von der Topografie, also wo der Schneeerzeuger steht, wie viel Strom für die Schneeproduktion verbraucht wird.

Inwiefern?

Meyer: Die günstigste und sparsamste Art, Schnee zu machen ist, den Eigendruck der natürlichen Fliessgewässer zu nutzen, also direkt Wasser aus einem Bach oben am Berg zu nutzen. Das ist beispielsweise am Gurschen beim Gemsstock der Fall. Auf der anderen Seite, beim Nätschen, entnehmen wir hingegen das Wasser aus dem Oberalpsee. Wie viel Wasser wir dem Bach entnehmen können, hängt stark von den Bedingungen im Herbst ab, also wie viel es geregnet hat. Und im Allgemeinen wird es schwieriger, je kälter es wird, da die Wassermenge abnimmt. Natürlich gibt es auch hier gesetzliche Vorgaben, wie viel Wasser man dem See oder einem Bach entnehmen darf, aber diese Limite haben wir noch nie erreicht.

Nächtlicher Blick vom Gemsstock aus auf das beleuchtete Andermatt. Im Vordergrund eine Propellermaschine zur technischen Beschneiung

Wie viel Schnee wird in der SkiArena technisch hergestellt?

Meyer: Das hängt davon ab, wie viel Naturschnee es bereits hat, und wie trocken die Luft ist. Gerade, wenn es im Winter früh schneit, produzieren wir oft Schnee, weil er sich gut mit dem natürlichen Schnee bindet.

Produziert ihr so viel Schnee wie möglich?

Meyer: Nein. Wir beschneien auf der Schattenseite im Herbst und dann bis in den Dezember, selten bis in den Januar hinein. Was wir machen, ist, dem Naturschnee technischen Schnee hinzuzufügen, sodass es bis in den Frühling genügend hat. Jedoch versuchen wir, mit so wenig technischem Schnee wie möglich zu arbeiten. Aus Erfahrung wissen wir ziemlich genau, wo wir wie viel beschneien müssen. Zusätzlich haben wir die Werte vom Vorjahr, wie viel Wasser wir pro Schacht verbraucht haben, das gibt uns weitere Anhaltspunkte.

Wie kann man sonst Energie sparen beim Beschneien?

Meyer: Wir möchten künftig in GPS-basierte Systeme für Pistenmaschinen investieren, welche die Schneehöhe messen und angeben, wie viel Schnee wo liegt. Der Vorteil ist, dass man den technischen Schnee viel gezielter verteilen kann. Damit können wir bis zu 20 Prozent an technischem Schnee sparen. Wir testen es zurzeit an zwei Maschinen am Gemsstock und in Sedrun.

Was ist mit den Pistenmaschinen? Die brauchen ja auch viel Treibstoff…

Meyer: Auch bei den Pistenmaschinen tut sich einiges, es gibt Hybridfahrzeuge, die bis zu 20 Prozent weniger Diesel verbrauchen. Aber es kommt auch stark auf den Fahrer an: Mit einem ökologischeren Fahrstil kann man grosse Einsparungen erzielen beim Treibstoffverbrauch.

Propellermaschine zur technischen Beschneiung in Betrieb in der Nacht neben einem Pistenfahrzeug

Wie spürst du den Klimawandel am Berg?

Meyer: Die Zeitfenster für die Beschneiung sind kürzer geworden, es ist seltener über längere Zeit kalt und es wird tendenziell wärmer. Man muss schneller einsatzbereit sein. Gleichzeitig ist die Erwartungshaltung der Wintersportlerinnen und Wintersportler in den letzten 10 bis 15 Jahren enorm gestiegen. Heute will man im November Skifahren. Das ist ein grosser Widerspruch.

Inwiefern werden mit technischem Schnee Flora und Fauna beeinträchtigt?

Meyer: Wir haben bei der Skigebietsverbindung Analysen gemacht, um sicherzustellen, dass man nicht Wasser aus einem See auf den Berg bringt, das eine andere chemische Zusammensetzung hat, als das Wasser vor Ort. Insbesondere geht es um die Zusammensetzung der Mineralien. Durch den technischen Schnee haben wir weniger mechanische Schäden an der Flora und Fauna.

Und was ist dabei herausgekommen?

Meyer: Das Wasser ist das gleiche und wir stören den Wasserkreislauf damit nicht: Wasser kommt auf den Berg, wird zu Schnee und fliesst im Frühling als Schmelzwasser zurück in den See. Klar, eine beschneite Piste braucht länger bis sie schmilzt, aber auch eine Naturschnee-Piste braucht länger zum Schmelzen als Schnee in der unberührten Natur.

Zur Person

Dani Meyer ist in Andermatt geboren und aufgewachsen. Er hat eine Berufsausbildung als Landmaschinenmechaniker absolviert. 2009 hat er als Maschinist bei den Bergbahnen in Andermatt angefangen zu arbeiten. Heute ist Meyer stellvertretender Leiter des Pistenrettungsdienstes und dort für die technischen Bereiche wie Fahrzeugunterhalt, Beschneiung und Pistenpräparation zuständig.

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