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Si­che­re Pis­ten der Ski­Are­na An­der­matt-Se­drun durch in­no­va­ti­ves Kon­troll­sys­tem

25. Januar 2022

Carlo Danioth, Pistenrettungschef/Bergführer der SkiArena Andermatt-Sedrun, und sein Team haben mit der Firma Wyssen Avalanche Control AG eine Software mitentwickelt und implementiert, die die Pisten noch sicherer machen. Jeder Schritt der Sicherung des Skigebiets – von der Lagebeurteilung, der Pistenkontrolle, der Lawinensprengung und sogar von Unfällen – wird in der Software WAC.3® eingetragen und kann so zu jeder Zeit konsultiert werden.

Es ist 5 Uhr morgens. Carlo Danioth ist am Gemsstock unterwegs und beurteilt die heutige Schneelage. Über Nacht ist eine grosse Menge Schnee gefallen. Er und sein Team sind nun dabei, die Pisten vor allfälligen Lawinen zu sichern. Nach einem Augenschein am Berg öffnet Carlo Danioth das Programm WAC3® auf seinem Computer. Allgemeine Daten wie die Einschätzung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung oder der Wetterbericht sind bereits hinterlegt, ebenso detaillierte Karten mit sämtlichen potenziellen Lawinenanrissstellen des Gebiets und den ferngesteuerten Lawinensprenganlagen. «Jede Sprengung ist hier ersichtlich. Auch die terrestrisch ausgeführten, also diejenigen, die wir manuell vor Ort machen, werden punktgenau mit GPS-Daten via Funk auf die Karte übertragen. So weiss jeder Mitarbeitende genau, wo und wann gesprengt wurde», erklärt Danioth. Dies professionalisiert und erleichtert die täglichen Briefings und Vorbereitungen für die Tageschefs des Pistenrettungsdiensts (PRD) ausserordentlich. Aussergewöhnliche Beobachtungen, wie zum Beispiel die Situation der Schneedecke, können direkt mit einer Safety-Notiz abgelegt werden.

Dokumentierte Pistenkontrolle

Jede Piste wird vor der Öffnung für die Schneesportlerinnen und -sportler kontrolliert. «Wenn ich etwas sehe, das noch gemacht werden muss, zum Beispiel wenn ein Netz kaputt ist oder eine Tafel nicht mehr richtig steht, kann ich davon ein Foto machen und dieses im System mit meinem Namen abspeichern», sagt Michi Bissig, Patrouilleur bei der SkiArena Andermatt-Sedrun. Er arbeitet täglich mit der Software. «Alle sehen so, dass ich die Piste kontrolliert habe und bei einem Ereignis ist dies sauber dokumentiert.» Die Mitarbeitenden standen der Einführung des Systems zuerst etwas skeptisch gegenüber. «Sie wussten nicht so genau, ob das nun eine Überwachung oder eine Erleichterung ist. Doch unterdessen stehen alle hinter dem Programm und sehen den Nutzen. Falls es dennoch zu einem Ereignis oder einer Lawine mit Folgen kommt, kann man jederzeit auf alle getroffenen Lagebeurteilungen, Sprengungen und Massnahmen zurückgreifen und somit sauber dokumentieren, dass alles zur Sicherheit der Wintersportlerinnen und -sportler unternommen wurde. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es bei den Arbeiten mit der Natur nie, aber wichtig ist, dass man alle Massnahmen trifft, um das Restrisiko so gering wie nur möglich zu halten.

Mehrere Lagebeurteilungen pro Tag

«An einem schönen Tag machen wir morgens um circa 6.45 Uhr die erste Lagebeurteilung und dann die nächste gegen 16 Uhr. Die Pisten wurden über die Nacht sauber präpariert. Wenn das Wetter aber wechselhaft ist und es zum Beispiel schneit oder stark windet, dann bestimmen wir direkt am Morgen, wann die nächste schriftliche Beurteilung stattfindet», sagt Danioth. Diese Info ist auch wichtig für das Operation Center des Skigebiets. Dort laufen die Infos über den Pistenzustand zusammen, sodass die Mitarbeitenden entsprechend den Wintersportbericht zusammenstellen können. In diesem steht nicht nur, welche Bahnen aktuell in Betrieb und welche Pisten geöffnet sind, sondern auch wann allenfalls eine Neubeurteilung der Situation stattfindet.

Protokollierte Unfälle

Wenn auf der Piste ein Unfall passiert, wird dieser protokolliert und punktgenau auf der Karte erfasst. So kann die Administration direkt aus dem System erkennen, was wo passiert ist, welche Rettungsmassnahmen ergriffen wurden und auch Rechnungen für die Pistenrettung ausstellen. «Bei gewissen Ereignissen wird auch die Kantonspolizei involviert: schwere oder tödliche Unfälle, Kollisionen, Ereignisse mit der Infrastruktur und so weiter. Dabei wird der Unfallrapport zusätzlich mit Fotos, dem Hergang und weiteren wichtigen Details im WAC3® hinterlegt und an die Kantonspolizei geschickt. Diese Informationen können auch Monate nach dem Ereignis wieder hervorgeholt werden und sichern uns bei Haftungsfällen ab», führt Danioth aus.

Leistungsauftrag mit der Matterhorn Gotthard Bahn

Der PRD der SkiArena Andermatt-Sedrun ist aber nicht nur für die Sicherheit auf den Pisten zuständig. «Die Strecke der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) führt durch lawinengefährdetes Gebiet. Das nördliche Einzugsgebiet westlich der Oberalppass Galerie (Pazola) hat in der Vergangenheit schon öfters die Geleise verschüttet und die Fahrleitung abgeräumt, was einen längeren Ausfall des Bahnverkehrs zur Folge hatte.» Carlo Danioth und sein Team beurteilen auch diesen Sektor täglich und geben der MGB eine Empfehlung ab, wann die festinstallierten Lawinensprenganlagen ausgelöst werden sollen.

Das Debriefing am Abend

Um 16.45 Uhr trifft sich der Tagesverantwortliche des PRD mit den Pistenfahrzeugfahrern zu einem kurzen Debriefing. Die zweite Lagebeurteilung um 16 Uhr hat ergeben, dass keine weiteren Massnahmen nötig sind und bei der letzten Pistenkontrolle war alles in Ordnung. Das bedeutet Feierabend für die Patrouilleure und Zeit für die Pistenfahrzeugfahrer die Pisten zu präparieren und die am Briefing zugewiesenen Spezialarbeiten in Angriff zu nehmen. Läuft alles normal, ist zwischen 2 und 3 Uhr morgens Feierabend. Der Wetterbericht hat eine kalte, klare Nacht angesagt, das verspricht – zumindest lawinentechnisch – einen weniger aufwändigen nächsten Tag.

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