Andermatt Responsible

«Wir sind eine ÖV-Fa­mi­lie»: Stad­lers und ihre Lie­be zu An­der­matt

26. Februar 2020

Effizient, kraftvoll – und ein Stück Heimat: Das bedeutet Andermatt für die Familie Stadler. Die vierköpfige Familie aus Hergiswil NW verbringt ihre Freizeit regelmässig in Andermatt. Zentrum ist ihre 3,5-Zimmer-Wohnung im Dorfteil Reuss.

Die Stadlers sind noch in Jeans und T-Shirt, als sie am Mittwochmorgen die Tür ihres Apartments öffnen. Auf der schneebedeckten Piazza Gottardo beginnt gerade der Tag: Touristen strömen in Skischuhen und mit Helmen aus dem Radisson Blu Hotel zur Bushaltestelle.

Eine mächtige orange Fräse speit in hohem Bogen Schnee von einem Fleck zu einem anderen – gerade so, als ob es darum ginge, die weisse Pracht noch loszuwerden, bevor die nächste Ladung kommt. Denn die ersten Flocken tanzen schon vom Himmel, die Gondeln des Gütsch-Express verschwinden immer mehr im Schneetreiben.

Fussball, Eishockey, Skifahren – und Skandinavien

Jari (15) und Suvi (18) Stadler haben Fasnachtsferien und können deshalb den Tag ruhig angehen. Mit ihren Smartphones lümmeln sie auf dem Sofa herum und unterhalten sich über den bevorstehenden Champions League-Match. Auf dem Salontisch liegt ein Bildband über Fussballstar Zlatan Ibrahimovic. Stadlers sind eine fussballbegeisterte Familie. «Wir besuchen aber auch gern ab und zu ein Eishockeyspiel im nahen Ambri-Piotta», sagt Daniel (59).

Aber nicht nur: «Wir sind Skandinavien-Fans», sagt Mutter Ruth (51) und zeigt auf ein paar Schwarz-Weiss-Fotografien an der Wand. «Das sind Aufnahmen von den Lofoten und von Island, die ich gemacht habe», erklärt sie.

Mutter und Tochter am hölzernen Esstisch, Sohn und Vater in der offenen Küche

Ihre Liebe zum Norden hat die Familie bereits mehrmals in skandinavische Länder geführt, die Kinder tragen finnische Namen. Tochter Suvi wird ihren nächsten Winter in der Dunkelheit der nordnorwegischen Stadt Tromsö nördlich des Polarkreises verbringen. «Dort werden wir sie sicher besuchen», sagt Vater Daniel (59).

So schön wie im hohen Norden

Und was bringt die Familie nach Andermatt? «Weil es hier so schön und ähnlich ist wie in gewissen Teilen von Skandinavien», sagt Daniel begeistert. «Das eher raue Klima, die kahlen Bergflanken, das spezielle Licht, wenn der Nebel durch das Tal schleicht…», Daniel Stadler gerät ins Schwärmen.

Doch das ist nur einer von drei Gründen, warum Stadlers sich für eine Ferienwohnung in Andermatt entschieden haben: «Es ist für uns der effizienteste Ort – verkehrs- und energiemässig», sagt Daniel. Die Kinder, die beide das Gymi am Kollegium Stans besuchen, sind nicht nur fussballbegeistert, sondern fahren auch gerne Ski und Mountainbike. Und sie feiern leidenschaftlich Fasnacht. Am Schmutzigen Donnerstag hält sie deshalb nichts in den Bergen. Feiern in Luzern und Stans ist angesagt.

Damit alle vier Terminpläne unter einen Hut passen – Daniel ist beruflich oft in Basel, Ruth fährt gern auch mal später ins Berg-Wochenende – reisen die Stadlers oft individuell mit dem Zug. «Wir sind eine ÖV-Familie», sagt Daniel.

An- und abreisen wie jede und jeder will

Für Andermatt war deshalb ausschlaggebend, dass jedes Familienmitglied fast jederzeit mit dem Zug an- und wieder abreisen kann. Das spare nicht nur CO₂, sondern auch Zeit und Nerven, findet Ruth.

Der Vergleich zeigt denn auch, dass die Reise mit dem Zug auf ausgewählten Strecken nach Andermatt und zurück den CO₂-Ausstoss gegenüber dem Auto um fast 60 Prozent verringert.

CO₂-Ausstoss

Für eine Fahrt nach Andermatt und zurück zum Wohnort, in Kilogramm.

Quelle: Myclimate, Google Maps, Schweizerische Bundesbahnen SBB

Doch zurück zu Familie Stadler, bei der es dann doch noch heisst: Skikleider anziehen und ab auf die Piste. Mit dem Elektrobus, der praktisch vor der Haustüre in der Halle unter der Piazza Gottardo hält, geht es wahlweise zur Talstation der Gemsstockbahn oder vom Gütsch-Express. Heute entscheidet sich die Familie für die «Sonnenseite», obwohl es inzwischen am Berg bereits ziemlich schneit und noch mehr stürmt.

Das Gefühl einer Stadt

Die Gondelfahrt auf den Gütsch gibt dennoch für eine Weile den Blick frei auf Andermatt mit seinem neuen Dorfteil Reuss und Daniel die Gelegenheit, die verdichtete Bauweise des Resorts anzusprechen. «Die Häuser sind nahe zusammengebaut», erklärt er. Deshalb habe man nicht selten das Gefühl, in einer Stadt zu wohnen

Er, der als Ingenieur im Bereich der Gebäudetechnik arbeitet, hat sich die «Nachhaltigkeit ein bisschen auf die Fahne geschrieben», wie er sagt. Es komme ihm entgegen, dass auch das Gebäude, in welchem sich die Stadlersche Wohnung befindet, grossvolumig und hoch ist und wie alle Immobilien in Andermatt Reuss mit Wärme aus dem Holzschnitzelkraftwerk in Göschenen und somit klimaneutral geheizt wird.

Ingenieur Stadler will sogar noch einen Schritt weitergehen: Zusammen mit einer externen Firma plant er den nachträglichen Einbau einer Steuerung, die es ihm erlaubt, die Raumtemperatur in der Wohnung während der Abwesenheit der Familie auf 16 Grad abzusenken und rechtzeitig wieder anzuheben, bevor die Wohnung benutzt wird. Das Ganze soll natürlich übers Smartphone gesteuert werden können.

Windböen und Schneegestöber

Auf dem Gütsch angekommen, ist für Stadlers klar: Das mit der Aussicht und der Einkehr auf dem Schneehüenerstock wird heute nichts. Einige Bahnen müssen wegen Sturms frühzeitig geschlossen werden.

Familie mit Skiausrüstung bei schlechter Sicht auf der Piste

Doch für die Familie ist das noch lange kein Grund, zu jammern. Im Gegenteil: Sie erweist sich durchaus als wetterfest, die paar heftigen Windböen mit Schneegestöber lassen die skandinavienerprobte Familie buchstäblich kalt.

«Das gehört dazu, wenn man in alpinen Gebiet unterwegs ist», sagt Daniel und verrät, dass in seinem Herzen nicht nur die Liebe zu Nordeuropa pocht, sondern in seinen Adern auch Urner Blut fliesst: «Wir haben Wurzeln in Andermatt, ein Teil meiner Verwandtschaft lebt im Dorf.» Auch deshalb fühle er sich grundsätzlich dem Dorf im Urserntal besonders verbunden.

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